Ein Festsaal ganz in Wolle gehüllt

Wenn einer der größten Naturparks Frankreichs sich der Herausforderung stellt ( J ), sich bei einem „neuen“ Sektor zu engagieren, kann dies zu originellen und richtungsweisenden Initiativen für das Gebiet führen. Dazu zählt etwa die Renovierung eines Festsaals mit Wolle von Schafen, die in der Nähe weiden. Das Experiment benötigte unter anderem eine umfassende und gleichzeitig präzise Energiestudie.

Das Gebiet des Regionalen Naturparks Lothringen ist ein seit 1974 für seine umweltbezogenen und landschaftlichen Vorzüge anerkanntes Gebiet. Er ist einer der ältesten regionalen Naturparks Frankreichs sowie auch einer der größten. Er erstreckt sich über 182 Gemeinden und 2200 km².

Das Gebiet steht vor mehreren Problemen wie etwa der Verringerung der Wiesenflächen, dem Abzug von landwirtschaftlichen Arbeitsstellen – wobei die Landwirtschaft einer der wirtschaftlichen Grundpfeiler ist – oder auch der starken Abhängigkeit des Gebiets im Energiebereich. Der Energieverbrauch führt manchmal zu finanziellen Schwierigkeiten sowohl für die Gemeinden als auch für Privatpersonen.

Um diese Probleme anzugehen, wurde ein Handlungsplan für 2015 bis 2027 entwickelt:

http://www.pnr-lorraine.com/fr/charte-2015-2027_175.html

Diese Aktionen müssen große Herausforderungen im Bereich der Umweltqualität, aber auch bei der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Gebiets in Angriff nehmen.

Daher war der Regionale Naturpark Lothringen an einer Beteiligung am Projekt AUFTRAG-Wolle – einem Projekt für die Zusammenarbeit zur Verwertung von Schafwolle aus der Großregion – sehr interessiert. Tatsächlich ist die Arbeit rund um die Schafwolle eine Reaktion auf mehrere Herausforderungen des Gebiets des Parks: die Erhaltung von Schafzucht und Wiesen, die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft auf Grundlage lokaler Ressourcen sowie die energetische Renovierung von Gebäuden.

In diesem Rahmen startete der Park eine Versuchsoperation zur Thermo- und Schallisolierung auf Grundlage von Produkten aus lokaler Wolle.

Für diese Operation wurde der Festsaal von Mandres-aux-Quatre-Tours ausgewählt.

Die wichtigsten Ziele des Projekts sind:

  • Entwicklung neuer Technologien und Produkte auf Basis von Wolle zur Verbesserung der Energie- und der akustischen Effizienz von Gebäuden.
  • Förderung der Reduzierung des Energieverbrauchs und von Treibhausgasen sowie Verbesserung des Raumkomforts (natürliche Isoliermaterialien, Qualität der Luft im Innenbereich etc.)
  • Strukturierung eines Netzes in der Nähe zur Verwertung lokaler Wolle und Erinnerung an die Kompetenzen der Unternehmen des Gebiets
  • Erstellung eines Modell- und Vorzeigegebäudes mit interregionaler Orientierung über die Verwendung von Wolle im ökologischen Bauwesen. Der Aspekt der Kommunikation ist grundlegend für dieses Projekt:

Weitere Informationen:

http://www.pnr-lorraine.com/fr/interreg_204.html

 

Doch wo liegt Mandres-aux-Quatre-Tours?

 

Auf halbem Weg zwischen Toul und Mousson in Meurthe-et-Moselle gelegen, zählt das Dorf Mandres-aux-Quatre-Tours etwas weniger als 200 Einwohner.

Es ist eine dynamische Gemeinde direkt am Eingang zum Forêt de la Reine. Natürlich liegt die Gemeinde auf dem Gebiet des Regionalen Naturparks Lothringen, mit welchem sie bei zahlreichen Projekten zusammenarbeitet.

Die Gemeinde Mandres-aux-Quatre-Tours verfügt über einen Festsaal, der 1954 erbaut wurde. Er wurde damals als Veranstaltungssaal (Bühne für Theatervorstellungen und Musikdarbietungen) sowie auch als Kinosaal mit Projektionskabine gebaut. In den letzten Jahren wurde dieser Saal vor allem für Dorf-, Schul- und Familienfeste für die Einwohner genutzt. Seit 2014 untersucht die Gemeinde die Möglichkeit, diesen Saal zu renovieren (Heizung veraltet, Isolierung nicht vorhanden etc.), um ihm neues Leben einzuhauchen.

2016 ließ sie sich von Unternehmen Angebote für die Umsetzung einer angemessenen Isolierung machen. Damit sollte Energie eingespart und der Saal für die Aktivitäten angenehmer gestaltet werden.

Zwischen der Gemeinde und dem Regionalen Naturpark Lothringen wurde eine Auftragsgemeinschaft gegründet, um die Arbeiten partnerschaftlich durchzuführen.

Wenn AUFTRAG-Wolle und die Gemeinde zusammenkommen

Bei einer Projektausschreibung des Regionalen Naturparks Lothringen, bei dem eine freiwillige Gemeinde für den Einsatz von Schafwolle zur Isolierung eines Gebäudes gesucht wurde, fiel die Wahl auf Mandres-aux-Quatre-Tours.

Nach der Renovierung soll dieses Gebäude auf Ebene der Großregion als Beispiel für den Einsatz von Wolle als Material biologischen Ursprungs im ökologischen Bauwesen dienen. Schlussendlich soll diese Art von Experiment wiederholt werden, was für weitere Eigentümer, die mit Wolle isolieren möchten, von Nutzen sein kann.

Zwei vorbereitende Studien wurden durchgeführt

Im Vorfeld der Arbeiten, die im Verlauf des Jahres 2018 durchgeführt werden, wurden mit dem Büro Terranergie ab Ende 2017 zwei Studien gestartet.

Die erste, sehr umfangreiche Studie ermöglicht es, den Einsatz von Schafwolle als Isoliermaterial sowie deren Vorteile, Nachteile und die in Frankreich und Europa zu sammelnden Erfahrungen besser zu verstehen. Ihre Ergebnisse sollten es ermöglichen, Projekte zur Isolierung neuer oder bestehender Gebäude mit Wolle zu begleiten. Der Grundgedanke dabei ist es natürlich, lokale Wolle zu verwenden, um dem Geist des Projekts zu entsprechen.

Die Studie trägt den Titel „Wolle im Bauwesen und bei der Renovierung von Gebäuden“.  

Sie erfasst Folgendes:

– Renovierungs- oder Bauvorhaben (zum Beispiel „La Damassine, Maison des Verges in Doubs),

– Produzenten von Isoliermaterial aus Schafwolle (auch wenn es nur wenige gibt, da wir uns in einem sehr umkämpften Feld befinden),

– Akteure, die bei dem Thema kompetent oder daran interessiert sind (sehr interessante Erfassung, die es uns ermöglicht, Verbindungen mit zuvor unbekannten Partnern aufzubauen)

– sowie gesetzliche Bestimmungen für natürliche Isoliermaterialien (Feuerbeständigkeit, Bauten für die Öffentlichkeit, Luftqualität), die den Einsatz im Rahmen öffentlicher Aufträge sehr schwierig machen (Erforderlichkeit der Vorlage unabhängiger technischer Gutachten zu Produkten für das Bauwesen)

Wolle unterliegt also zahlreichen normativen Beschränkungen und ihre Herstellungskosten sind hoch: Man muss das Material kaufen, es waschen, bearbeiten, transportieren und dann das Isoliermaterial produzieren und anbringen.

Glücklicherweise hat sie auch zahlreiche Vorteile: Sie ist ein gutes thermisches und akustisches Isoliermaterial, sie zeigt ein gutes hygroskopisches Verhalten, die Anbringung ist einfach und „bequem“ und sie hat entgiftende Eigenschaften.

Zusammengefasst: Die Studie bestimmt Produktanwendungen für Wolle als Produkt für das Bauwesen, zum Beispiel für die Isolierung von Hydraulikkreisläufen, für die Hersteller von Jurten etc.

Sie betont die realisierbaren technischen Möglichkeiten und die möglichen Absatzgebiete für Schafwolle im Bauwesen als Schutz gegen Kälte, Hitze, Lärm und Schadstoffe aus der Luft im Innenbereich (siehe den vorherigen Newsletter und das durch CELABOR erstellte Dossier über flüchtige organische Verbindungen).

Sie zeigt, dass die Verwertung von Wolle im Bauwesen hinsichtlich der gesetzlichen und finanziellen Einschränkungen nicht einfach, aber mit einer guten Vorbereitung im Vorfeld von Projekten möglich ist.

Die zweite Studie ist eine thermische und Schallanalyse des Festsaals von Mandres-aux-Quatre-Tours, gefolgt von Vorschlägen für Arbeiten zur akustischen und energetischen Verbesserung.

Diese Studien sind auf einfache Anfrage beim Regionalen Naturpark Lothringen verfügbar.

Kontaktieren Sie Jean-Marc GAULARD unter 03 83 84 25 47/jean-marc.gaulard@pnr-lorraine.com

Wille zur Neugründung eines lokalen Netzwerks auf Ebene der Großregion

Um dieses experimentelle Projekt durchzuführen, wurde ein nahes Netzwerk zur Verwertung endogener Ressourcen und zur Erinnerung an die Kompetenzen lokaler Unternehmen aufgebaut. Ziel dabei war es, Ressourcen auf Erdölbasis, die von (sehr) weit weg kommen, durch eine natürliche lokale Ressource zu ersetzen.

Die Produktionskette umfasst folgende Etappen:

  • Sammlung von vier Tonnen Rohwolle bei einem Züchterkollektiv des Parks zu einem „gerechten“ Preis, der durch den Bereich Wolle unter Berücksichtigung der Kosten und Belastungen der Züchter berechnet wurde. Dies geschieht, damit sie von einer besseren Verwertung ihrer Wolle profitieren können. Die Sammlung wurde gemeinsam mit dem Schafzüchterverband Moselle organisiert. Die Wolle stammt von folgenden Züchtern: Landwirtschaftliche Erzeugergemeinschaft Gall in Languimberg, landwirtschaftliche Erzeugergemeinschaft Hoquerosse in Réchicourt-le-Château, landwirtschaftliche Erzeugergemeinschaft Agneau Lorrain in Foulcrey, Bauernhof Huberville in Barchain, Bauernhof Cambreholz in Lorquin.
  • Waschen und Anti-Motten-Behandlung der Schaffelle durch das Unternehmen Traitex in Verviers (B), eine der modernsten Waschungen von Wolle in Europa – der Erbringung einer solchen Leistung entsprechend.
  • Herstellung von Isoliermaterial aus Schafwolle durch Cetelor, Textil-Technologiezentrum in Epinal. Und das auf Grundlage von 2800 kg gesammelter Wolle nach dem Waschen (Ertrag von 70 %).
  • Umsetzung und Anbringung von Isoliermaterialien im Festsaal durch einen spezialisierten Dienstleister.

Dieses Projekt vereint mehrere unverzichtbare Partner, darunter Cetelor und den Schafzüchterverband von Moselle.

Fokus auf dem Cetelor

Cetelor (lothringisches Textil-Versuchszentrum) wurde für die Herstellung von Platten zur Isolierung der Wände des Festsaals von Mandres-aux-Quatre-Tours ausgewählt. Es wurde damit beauftragt, die (bereits durch Traitex gewaschene und gegen die Ausbreitung von Feuer sowie gegen Motten bearbeitete) Wolle zu Isolierplatten zu verarbeiten.

Cetelor kann Prototypen, Vorserien oder kleine Produktionen herstellen und die hergestellten Produkte charakterisieren (thermische Leistung, Wasserabsorption etc.).

Es handelt sich dabei um eines der drei technischen Zentren des Campus Fibres von Epinal. Es gehört zur Université de Lorraine und verfügt über Werkzeuge zur Herstellung und Charakterisierung sowie über Kompetenzen für die Entwicklung von Lösungen, vor allem für das Bauwesen.

Cetelor kann die Unternehmen des Textil-Bereichs auf unterschiedliche Weise begleiten. In erster Linie handelt es sich um ein Labor, das textile und paratextile Produkte in vielen Bereichen messen und charakterisieren kann (Kleidung, Möbel, Automobil-Industrie, Bauwesen etc.). Cetelor arbeitet auch an Projekten für Forschung und Entwicklung von Textilien für den technischen Einsatz und von Verbundmaterialien. Schließlich beteiligt es sich an Forschungsprojekten, vor allem im Bereich der Mikrobiologie und zu pflanzlichen Fasern.

http://Cetelor.univ-lorraine.fr/

Fokus auf dem Schafzüchterverband von Moselle

Der Schafzüchterverband von Moselle spielte für seine Mitglieder rund um das Projekt AUFTRAG-Wolle eine kommunikative Rolle und fungierte als „Versammler“ für die Wolle.

Sechs Tonnen Rohwolle konnten so bei den Schafzüchtern des Pays des Etangs – einem für Vieh- und vor allem für Schafzucht bekannten Gebiet – gesammelt werden.

Bemerkenswert ist auch, dass France 3 Grand Est im Rahmen der Europäische Woche eine Reportage drehte. Die Reportage dreht sich um diese originelle Aktion sowie allgemein um das Kooperationsprojekt AUFTRAG-Wolle. https://www.youtube.com/watch?v=FH6JtGWWG8w

Der Verband repräsentiert die Schafzüchter des Departements Moselle. Er vertritt ihre Interessen und fördert diesen Bereich. Er sorgt zudem in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer des Departements für technische Unterstützung.

Die Öffentlichkeit kann zudem die Schafzucht in all ihren Dimensionen bei der Messe Agrimax, die von 24. bis 26. Oktober 2018 im Messepark Metz Métropole stattfindet, entdecken.

Weitere Informationen: https://syndicatovin57.wordpress.com/

Eine erste Bilanz und Perspektiven

Zuerst ist den öffentlichen Partnern zu danken, die die Finanzierung dieses Versuchs ermöglicht haben. Ohne sie wäre er nicht möglich gewesen: Europäische Union über AUFTRAG-Wolle, Region Grand Est, Departement Meurthe-et-Moselle, französischer Staat, Gemeindeverwaltung.

Es konnten vorbereitende Studien durchgeführt werden und eine erste freiwillige Gemeinde für die Umsetzung des Projekts konnte gefunden werden. Gleichzeitig ermöglichte es das Treffen mit technischen und Finanzpartnern, über das Projekt zu kommunizieren, diesen recht neuen Schritt allen zu erklären und alle von seinem Nutzen zu überzeugen.

Die Arbeiten zur Renovierung des Festsaals werden Ende 2018 starten.

Nach den positiven und negativen Ergebnissen aus diesem ersten Beispiel plant der Regionale Naturpark Lothringen, diesen Versuch im Jahr 2019 zu wiederholen.

Ziel wird es sein, diesen Versuch bei einem anderen Gebäude im Ostsektor des Parks zu wiederholen – idealerweise besonders nahe an den wichtigsten Schafzucht-Gebieten.

Und warum sollten danach nicht noch weitere öffentliche und private Gebäude mit Schafwolle isoliert werden? Eine gute Gelegenheit, die lokale Wirtschaft mit Materialien in Schwung zu bringen, die für alle sicher sind: sowohl für jene, die sie anbringen, als auch für die Nutzer des Gebäudes und für die Umwelt.

Aufgepasst:

Was, wenn auch Sie Wolle verwenden würden?

Rufen wir uns zunächst in Erinnerung, dass Wolle ein natürliches und erneuerbares Material ist und dass sie interessante Eigenschaften für den Einsatz im Bauwesen besitzt: thermische Isolierung (gegen Kälte UND Hitze) sowie Schalldämmung, Feuerbeständigkeit, Regulierung der Luftfeuchtigkeit und Verbesserung der Luftqualität im Innenbereich etc.

Schafwolle ist eine natürliche Ressource aus unserem Gebiet und lässt sich jedes Jahr auf dem Rücken der Schafe erneuern.

Hier die Vor- und Nachteile, die für Ihr Projekt zur Isolierung oder Renovierung mit Schafwolle zu berücksichtigen sind:

VORTEILE NACHTEILE
Absorbiert Feuchtigkeit Kann manchmal über einige Wochen oder Monate einen leichten Geruch abgeben
Gutes akustisches und thermisches Isoliermaterial Eignet sich nicht für eine feuchte Umgebung
Unempfindlich gegen Nagetiere Erfordert eine Anti-Motten-Behandlung
Gute Feuerbeständigkeit Höhere Kosten als bei anderen Isoliermaterialien

 

Wolle kann auf Rollen (für Dachböden, Wände etc.), in Platten (für Unterboden etc.) oder lose (für Dachböden und Leerräume) zur Verfügung stehen. Die Rollen und Platten enthalten 80 bis 90 % Wolle und 10 bis 20 % Polyesterfasern, welche die Stabilität verbessern.

Es gibt verschiedene Marken von Wollprodukten.

Die „eigene“ Herstellung eines losen Isoliermaterials auf Grundlage von gewaschener und gegen Motten behandelter Wolle ist möglich und relativ einfach umzusetzen.

 

Jean-Marc-Gaulard, für den Regionalen Naturpark Lothringen.

By |2018-10-05T14:01:12+02:005 Oktober 2018|Accueil ger|0 Comments

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Annick Bissener

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